Kleine Geschichte über den Forggensee

 

Frühgeschichte

Ja doch, der Forggensee als Stausee hat einen viel größeren Vorgänger und das kam so:  am Höhepunkt der letzten Eiszeit reichte der das ganze Ostallgäu bedeckende Lech-Vorlandgletscher mit 500 Metern Stärke bis zum heutigen Gebiet Kaufbeuren, leicht abfallend. Beim allmählichen Rückzug des Gletschers durch Schmelzen vor 15.000 Jahren bildeten sich der Pfrontener und Füssener See mit ca. 60, heute 15 Quadratkilometern, durch das Geschiebe des Gletschers, felsigen Untergrund und Felsbrocken als Barriere nach Norden. Diese Massen verursachten wiederum eine Verlandung, bis der Lech sich den Durchbruch am nördlichen Ende des Ursees durch tertiäre Molasse und Tonmergel erzwang und der See auslief. Übrig blieben die heutigen Seen: Forggen- Weißen- Hopfen- Schwan- und Bannwaldsee.

 

 

Neuzeit

Die großartige Wildflusslandschaft im unteren Tiroler Lechtal und insbesondere in der Füssener Bucht sollten so nicht bestehen bleiben. Die ersten Überlegungen zum Aufstau des Lech in Roßhaupten gehen bis 1898 zurück. In den 1940er Jahren wurden die Pläne wieder aufgenommen und 1950 realisiert, Fertigstellung war 1954. Die Gründe hierfür lagen in der Stromgewinnung, Flußregulierung wegen der regelmäßigen Hochwässer der Schneeschmelze, beginnender Tourismus und Kiesgewinnung. Auch für den letzten Grund wird das Seewasser Mitte Oktober über die großen Stautore in Roßhaupten bis auf einen Restbestand entnommen. Dieser Restbestand dient zur Schonung des Fischbestandes mit 8 Arten, Erhaltung von Reservewasser für den weiteren Verlauf des Lechs flussabwärts. Anfang Juni ist der See dann wieder ein See.

Damit die Füssener Bucht überhaupt einen See aufnehmen konnte, war es notwendig, eine schmerzhafte Umsiedlung der betroffenen Landwirte mit allen Konsequenzen in die nähere und weitere Umgebung vorzunehmen. Es betraf 16 Gehöfte und 36 Häuser. Ein Weiler davon war der „Forggen“, der dem See seinen Namen gab.

Durch das Ablassen des Wassers entsteht jedes Jahr eine interessante Perspektive des Seegrundes und der Umgebung, zum Spazieren einladend. So gibt der See auch einen Einblick in die Besiedelungsgeschichte von der Kelten- über die Römerzeit bis zum ersten Aufstau. Wo der Weiler Forggen lag, blickt man auf Ziegelreste und die Mauerfragmente einer römischen Villa rustica 2.-3. Jahrhundert. Ausgrabungen ergaben auch Münzen, Spielsteine, eisernes Gerät und Bleistreifen, die der Form nach an Etiketten erinnern. Auf der Westseite bei Osterreinen kann man auf einem Kiesdamm gehen, Reste der Via Claudia Augusta, eine Militärstraße, die von Augsburg ins Römische Reich führte. Bei Brunnen, Nähe Waltenhofen, sollen noch Mauerreste von einem Tonnengewölbe der einstigen bischöflichen Mühle von 1644 auf dem Seegrund zerfallen.

Aber auch oberirdisch gibt es noch steinerne Zeugen der lebhaften Vergangenheit der Umgebung des Forggensees, z.B. Reste von Steinaltären für Tier- und Waffenopfer, ein Meilenstein der Römer samt der Reste eines vermuteten Rastplatzes. Empfehlenswert ist auch der Besuch von alten ehrwürdigen Kapellen und Kirchen, mit Geschichte und bedeutsamen Reliquien und Malereien. Z.B. die Kirche von Waltenhofen, St. Urban bei Rieden und St. Coloman bei Schwangau. In deren weiten ebenen Flächen sammelten Deutsche Kaiser ihre Heere gegen Rom.

 Am südlichen Teil des Forggensees liegt die geschichtsträchtige und sehenswerte Stadt Füssen, schon in alten Zeiten ein bedeutender Handels- und Verkehrsknotenpunkt. Nach 15 Minuten Autofahrt erreicht man, vorbei am Schwansee, die Schlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau. Erholsam ist die Königliche Therme in Waltenhofen. Richtung Rieden von Füssen kommend, liegt das gläserne Schauspielhaus, früher bekannt durch zwei Musicals, den berühmten Kini Ludwig II preisend, direkt am See mit Gastronomie.

Zum Urlauben kann es kaum erholsamer sein, als im Bayerischen Allgäu im Königswinkel. Seen, Berge und ein sehr gut bezeichnetes und ausgebautes Rad- und Wanderwegenetz machen Spaß. Auf dem Forggensee sind alle Wassersportarten, außer Motorboot fahren, möglich. Es sind mehrere Segelschulen und Yachthäfen vorhanden. Bevor der See abgelassen wird, gibt es hier mächtig Bewegung, denn die Segelboote müssen für die wasserlose Zeit aus dem See genommen werden. Auch in den Lüften um den Tegelberg wird es einsamer, die Paraglider und andere Akrobaten der Luft rollen ihre Gleiter bis zum Frühjahr zusammen, es wird allgemein ruhiger, der Winter kann kommen. Bildergalerie folgt

 

 

 

 

 

Siehe Wikipedia                                                                                                                                                                       

„Der Forggensee“                                                                                                               

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